Von Talent und blutigen Nasen

Wenn mir vorher einer gesagt hätte, wie anstrengend und absolut nervtötend es ist, sich einen Verlag zu suchen …
… hätte ich mich trotzdem aufgemacht. Ganz klar. Aber es gehört schon ein langer, langer Atem dazu.

Gestern in illustrer Autorenrunde haben wir darüber philosophiert und es wurde Überraschung angesichts meiner Motivation und meines Durchhaltevermögens laut. Ich habe mir dann klargemacht, daß ich wirklich einen langen Atem habe.
Geschrieben habe ich „Am Abgrund seiner Seele“ in der ersten Fassung schon Ende 2009. Es wurde Herbst 2010, bis der Text soweit bearbeitet war, daß ich ihn vorzeigen wollte. Im Dezember 2010 hatte ich dann meinen ersten Agenturvertrag.
Daß ich den Mitte 2012 wieder aufgelöst habe, lag an einer Verkettung unglücklicher Umstände und dafür kann niemand verantwortlich gemacht werden. Aber es ist ernüchternd, so lange mit einem Text dazusitzen, der vor Herzblut nur so trieft und den ich sowohl inhaltlich als auch vom Genre her für absolut veröffentlichungstauglich halte. Wenn kein Psychothriller, was denn bitte dann?
Es dauerte noch bis Februar 2013, bis ich den nächsten Agenturvertrag in der Tasche hatte – bei einer wirklich tollen, engagierten Agentur, die mir das Gefühl gibt, mein Baby auf jeden Fall an den Mann bringen zu wollen. Aber natürlich braucht ein sorgfältiges Lektorat Zeit … und seitdem brauchen die Verlage jede Menge Zeit. Mehr, als meine Nerven noch ertragen können.

Bei mir ist es eben nicht wie bei den seltenen, aber umso häufiger erzählten Glücksfällen, in denen die Leute Tage nach ihrer Einsendung den Agenturvertrag in den Händen halten und Wochen später den Verlagsvertrag unterschreiben. Am besten noch mehrere in Folge. Das gibt es, aber das ist wirklich nicht der Regelfall. Das hat auch alles mit Talent nichts zu tun – die allermeisten Autoren, die es zu einer Agentur schaffen, sind talentiert. Punkt. Was dann kommt, ist pures Glück. Entweder man hat es und es geht sehr schnell, oder aber man hat es nicht und wartet und wartet … bis zur Absage oder zur Zusage, mit der man gar nicht mehr rechnet.
Willkommen in der Realität.

Man möchte da gern an sich zweifeln, aber das ist falsch. Das darf man nicht. Ich halte mir immer wieder vor Augen, daß ich gute Arbeit abgeliefert und wirklich alles gegeben habe. Und mein Baby trieft vor allem deshalb vor Herzblut, weil ich schon vor zehn Jahren Thriller schreiben wollte, mir aber bis vor fünf Jahren das Handwerkszeug fehlte. Als ich es dann endlich hatte, habe ich auch gleich losgelegt und ich werde solange für diesen Text kämpfen, bis ihn jemand offiziell beerdigt (nicht ich).
Für diesen Text oder einen Alternativentwurf dieses Thrilleruniversums, das man vielleicht etwas leichter etikettieren kann. Werden wir sehen.

Während man wartet, ist man sehr leicht geneigt, zwischen Depression, Verzweiflung und Wut zu schwanken und darüber in höchste Unproduktivität zu verfallen. Das geht mir inzwischen so derart auf die Nerven, daß ich beschlossen habe, einfach wieder zu schreiben – ohne Sinn und Plan, einfach drauflos, was mir paßt und davon möglichst viel auf einmal. Einfach um zu sehen, daß es noch geht – und daß es noch Spaß macht. Denn während man sich immer wieder blutige Nasen holt, vergißt man das allzu leicht.

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