Was Hänschen nicht lernt …

Jetzt hab ich öfter geschrieben als gebloggt, welch ein Frevel in der Rubrik „Tageswerk“ … Das kommt davon, wenn Schreiben mal wieder schöner ist als Bloggen.
Das Schönste ist überraschenderweise, Julies Pubertätswirren zu beschreiben. Schöner als der eigentliche Fall! Das ist wirklich witzig. Daß ich ein anstrengender Teenie war, ist zwar zum Glück schon mein halbes Leben her, aber ich erinnere mich noch gut.
Jetzt muß ich mich wirklich zusammenreißen, um keine Pubertätskomödie draus zu machen, sondern beim Profiling-Thriller zu bleiben.

Dabei habe ich mich zum allerersten Mal und ganz bewußt dazu entschlossen, sogar autobiographisch zu werden. Zu den Wirren, die man als Jugendlicher üblicherweise so hat, habe ich Julie ein besonderes Problem angedichtet: eine Rechenschwäche. Es fällt mir nämlich leicht, mich daran zu erinnern, welche Matheprobleme ich in dem Alter hatte. Es ist ja durchaus möglich, schulisch ziemlich weit zu kommen, ohne daß jemand merkt, daß man eigentlich gar nicht rechnen kann. Dyskalkulie ist eben nicht so bekannt wie Legasthenie. Dabei passiert den meisten Betroffenen eine bestimmte Art von Fehlern.

Sie hatte 14 minus 8 falsch berechnet. Da stand 7. Andrea fragte sich, wie das zustande gekommen war. Als nächstes stolperte sie über einen Fehler, der aussah wie ein Abschreibfehler. Julie hatte vollkommen sinnbefreite Fehler in einem linearen Gleichungssystem gemacht. Sie hatte versucht, eine Rechenoperation auf einer Seite zu eliminieren und die Zahl auf der linken Seite fortan auch weggelassen, aber nicht berücksichtigt, daß sie dieselbe Operation auf der anderen Seite auch hätte durchführen müssen. Im Endergebnis war natürlich ab dieser Stelle die ganze Aufgabe falsch.
So zog es sich durch. Stirnrunzelnd griff Andrea nach Julies Rechenblock und schaute sich die Hausaufgaben ihrer Tochter an.
Dieselben Fehler. Und andere. Kopfschüttelnd stellte Andrea fest, daß Julie anstatt zu quadrieren nur mal zwei gerechnet hatte.

Und interessanterweise schafft man es tatsächlich, sich mit solchen nichtvorhandenen Fähigkeiten bis zum Abitur durchzuschlagen. Ein Schicksal, das Julie erspart bleiben wird, denn Andrea ist bereits auf dem richtigen Weg mit ihren Vermutungen. Und nicht weit entfernt von allerhand Selbstvorwürfen.
Ein schönes Gefühl jedenfalls, ein Tagespensum von gut 4100 Wörtern geschafft zu haben!

Letzter Satz für heute: „Ja, ich weiß. Und was ich mit dreizehn am schlimmsten fand, ist diese Aussage!“ sagte Andrea lachend.

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