Vom Leben mit dem Schreiben

Autoren sind wie ganz empfindliche Pflanzen. So wie manche Pflanzen eine bestimmte Menge an Sonnenlicht und Wasser brauchen, so benötigt der Autor bestimmte Umstände und Befindlichkeiten, die ihm das Schreiben erst ermöglichen. Gut, manche Autoren sind besonders produktiv, wenn sie gestreßt oder depressiv sind. Bei mir hat der gerade vergangene Umzug jedoch eher bewirkt, daß ich völlig den Bezug zum Handwerk verloren hab. Zum Handwerk und zu meinem Thriller-Universum, das ich zwar hinsichtlich der Handlung abgeschlossen habe, das aber für mich alles andere als abgeschlossen ist. Immerhin liegt Teil 1 der Reihe zur Zeit bei einer auch nach ersten Absagen immer noch recht stattlichen Liste von Verlagen und mein Herzblut kocht beim Gedanken daran, daß jemand es nimmt – oder daß keiner es will.

Die Erwartungen, die man an sich selbst stellt, können einen mitunter regelrecht lähmen. Nachdem ich mich wochenlang nicht mit irgendetwas rund um Buchstaben, Erzählen und Schreiben beschäftigt habe, war meine Hemmschwelle sehr groß, wieder damit anzufangen. Wenn überhaupt, habe ich es gerade mal geschafft, ein Dokument zu öffnen, reinzulesen und pauschal alles als schlecht zu empfinden. Ich wußte nicht, wo ich anfangen soll.
Insofern ist es ein Geschenk des Himmels, daß ich mich gerade mit der Fragestellung befasse, ob die Thriller-Reihe nicht auch mit einem späteren Teil beginnen kann. Die Frage ist mir nicht neu, ich habe sie mir schon früher gestellt, denn letztlich ist es am wichtigsten, daß die Reihe insgesamt das Licht der Veröffentlichung erblickt.

Oder doch nicht? Denn während ich versuche, den Anfang des dritten Teils für eine mögliche Abkopplung umzuschreiben, blutet mein Herz und hofft, daß das nie nötig sein wird. Aber wie ich weiß, liegt es manchmal an Details und für einen Verlag ist es hinsichtlich der Vermarktung natürlich schwer, eine Studentin als Protagonistin in eine Schublade zu stecken und ein Etikett draufzukleben. Das ist da durchaus schwierig, wie ich zugeben muß.

Bleibt zu hoffen, daß ich von meiner aktuellen Umschreib-Aktion nicht mehr profitiere als hinsichtlich der Feststellung, daß ich tatsächlich noch schreiben kann. Noch vor wenigen Tagen saß ich staunend vor meinen Texten und dachte: Wie geht das? Wie schreibt man so etwas? Und ich habe versucht, zu tun, was alle predigen und einfach irgendwo anzufangen. Es einfach in Angriff zu nehmen und zu versuchen.
Aber das hat erst jetzt geklappt. Erst jetzt, mit einem konkreten Ziel, wird aus Theorie Praxis und ich sehe, daß ich noch ganz instinktiv weiß, wie das alles funktioniert. Ich kann mir stundenlang überlegen, auf welche Weise ich eine Figur einbringen möchte, Formulierungen umschmeißen, Details ersinnen. Und ich stelle fest, wie gut es mir tut, das Handwerk wieder aufzunehmen und mich in eine fremde Welt einzudenken.

Aber das muß ich ja keinem Schreiber erklären.

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