Respect your Characters

Gestern Abend mußte ich an etwas denken, das ein Probeleser zu mir sagte, nachdem er die erste Geschichte von mir gelesen hatte.
„Du behandelst deine Charaktere immer mit so viel Respekt. Die wirken richtig echt.“
Hm, dachte ich. Ist das so? Ich behandle meine Charaktere respektvoll und deshalb wirken sie lebendig?
Das ist nicht normal?

Nein, anscheinend ist das nicht normal. Seitdem habe ich mal bewußt darauf geachtet, wie andere Autoren mit ihren Charakteren umgehen. Manchmal ist es tatsächlich so, daß Autoren ihre eigenen Charaktere nicht ernst nehmen. Sie legen ihnen dämliche Dialoge in den Mund und lassen sie bescheuerte Dinge tun. Prämisse bei allem: Es ist ja nur eine ausgedachte Figur.
Und das ist bei mir tatsächlich anders. Ich nehme meine Charaktere immer genau so ernst, als würden sie tatsächlich existieren. Ich suche mir reale Vorbilder und zeichne sie. Ich entwickle sie auch während des Schreibens über die Geschichte hinweg.
Ich habe aber auch keine Schwierigkeiten damit, mir Charaktere auszudenken. Schreibratgeber widmen dem Thema ganze Kapitel und auch in Autorenforen ist Charakterentwicklung ein großes Thema. Man soll sich Menschen im näheren Umfeld ansehen und sich von ihnen inspirieren lassen, heißt es da.
Mal vorsichtig gefragt: Darauf kommt man nicht von selbst?

Ich könnte jetzt nicht mal behaupten, daß ich es selbst bewußt genauso mache. Ich hab mir jetzt nicht gedacht „Jack bekommt Eigenschaft xy von z“. So läuft das irgendwie nicht. Ich denke mir am Anfang nur aus, daß er ein Spaßvogel sein soll.
Der Rest kommt von selbst. Er gibt sich selbst eine Stimme, legt sich selbst auch Unfug in den Mund, wenn er gerade einen Dialog mit jemandem führt. (Auch Dialogschreiben soll schwierig sein, hab ich gelesen.)

Ich hab ja den Verdacht, andere Autoren gehen da viel zu verkrampft ran. Planen zuviel. Und ich bin auch ehrlich der Meinung, daß das alles gar nicht klappen kann, wenn man seine Figuren selbst nicht ernst nimmt und sie dementsprechend beschreibt.
Wie soll denn der Leser sie dann für lebendig halten?

One thought on “Respect your Characters

  1. Ja, du hast damit völlig Recht. Ich denke, das spürt der Leser auch. Bei mir ist es auch so, dass ich alle Charaktere mögen muss, sogar die Bösewichte. Sie können nix dafür, böse zu sein. Es hat ja einen Grund, warum sie so handeln müssen, z.B. Streben nach Anerkennung, Macht, Geld oder einfach nur blanker Neid auf andere. Wenn ich ihre Motive aus deren Sicht nachvollziehen kann, mag ich sie. Und das, obwohl sie meinem Protagonisten das Leben zur Hölle machen ;-).

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