Profiling mit Sadie

Ob sie will oder nicht, als eine ganze Familie ermordet in Waterford aufgefunden wird, ist Sadie in ihrem Element. Schon am College und auch später an der FBI Academy hat sie sich auf Psychologie, Verhaltensforschung und Profiling spezialisiert. Mit diesen Fähigkeiten ist sie gerade besonders gefragt, denn niemand versteht, wer die Familie Bloom getötet hat – und warum. Dazu kommt noch: Der Täter hat tagelang im Haus der Familie gelebt.
Mit der Familie.
Und das auch nicht zum ersten Mal.

Der Täter war mobil, stalkte die Familien, drang in ihr Zuhause ein, folterte sie und brachte sie um. Er verleibte sich ihr Zuhause ein. Versuchte er, die Rolle des Familienvaters einzunehmen?
Sadie betrachtete Fotos der Mütter. Sie waren alle brünett, hatten halblanges Haar. Derselbe Typ. Das stützte ihre Theorie, daß die Mütter im Fokus standen. Der Rest der Familie war egal, abgesehen von der Konstellation der Familienmitglieder. Die Töchter als Opfer kamen dem Täter gelegen, aber sie standen nicht im Zentrum. Und zumindest in Colorado und Nevada war durch seine DNA nachgewiesen, daß es derselbe Täter war. Sadie war überzeugt, daß er auch in den anderen Fällen in Frage kam. Er hatte sich nie erwischen lassen, war immer geplant und durchdacht vorgegangen. Das machte ihn noch gefährlicher, denn brutale Täter, die durchdacht vorgingen, waren schwerer zu schnappen.

Entschlossenheit ist das, was Sadie in diesem Moment bewegt. Als sie mit Phil zum Tatort gerufen wurde, haben die beiden ein regelrechtes Schlachtfeld vorgefunden. Das kann und will Sadie so nicht stehen lassen.

Sie holte tief Luft und überflog ihre Notizen, um die Erinnerung zu verdrängen. Entweder war der Täter selbst Familienvater, der sich an seiner Frau rächen wollte und dafür Stellvertreterinnen suchte. Oder er hatte als Kind in seiner eigenen Familie Unrecht erlitten, an dem auch seine Mutter schuld war. Aber warum lebte er tagelang im Haus der Familie?
Er interagierte mit ihr. Das mußte so sein. Die Spuren verrieten ihnen nichts über das, was während dieser Tage geschah, aber er interagierte. Und Sadie war sicher, daß er die Rolle des Vaters annahm.
Das sprach für ihre Theorie des Familienvaters. Er hatte bestimmt alles verloren, was ihm selbst wichtig war. Jetzt wollte er es sich zurückholen.
So gingen manche Menschen damit um, wenn sie Verlust und Schmerz erfuhren. Sadie konnte sich vorstellen, wie der Täter sich fühlte. Sie hatte schon als Kind mehr Verlust erfahren, als andere Menschen in ihrem ganzen Leben. Aber ihre Antwort auf diesen Schmerz war eine andere: Sie jagte jetzt Menschen, die anderen Leid zufügten.

Und das tut sie auf ihre ganz spezielle Weise. Sie will diesen Täter unbedingt finden und weiß, sie bringt das nötige Rüstzeug mit. Aufgegeben hat sie schließlich noch nie.

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