Profil eines Soziopathen

Heute lief es wesentlich besser als gestern. Warum, weiß ich auch nicht – anscheinend hatte ich jetzt mehr Klarheit, wie ich Thomas eigentlich darstellen will. Das war auch gut und wichtig, denn der heutige Teil galt allein ihm.
Andrea konnte sich nicht vorstellen, warum Inga, Gregory und Jack geschlossen gegen ihren Cousin wettern. So unsympathisch war er ihr gar nicht vorgekommen. Aber dann haben Jack und Inga sich die Zeit genommen, ihr zu erzählen, wie Thomas früher war. Als Kind, als Jugendlicher, als junger Erwachsener. Daß die Eltern ihn ins Internat gegeben hatten, weil sie mit seiner Schulschwänzerei und dem Stehlen nicht mehr zurecht kamen. Daß er sich einen Spaß daraus machte, seine jüngeren Cousins und Cousinen herumzukommandieren und zu erschrecken.
Und nachdem Andrea sich das alles angehört hat, blieb für sie nur eine Schlußfolgerung.

„Nicht wirklich. Inga und ich haben Andrea vorhin von unserem netten Cousin Thomas erzählt. Von den Dingen, die er früher so angestellt hat.“
Gregory nickte. „Der klassische Psychopath, denke ich manchmal.“
Ich erstarrte. „Das war es, was ich mir vorhin überlegt habe.“
„Ist das eine Krankheit?“ fragte Jack.
„Es gibt eine antisoziale Persönlichkeitsstörung. Nach dem, was ihr erzählt habt, ist Thomas der klassische Soziopath. Er zeigt anderen Menschen gegenüber keinerlei Empathie. Die siebenjährige Inga sitzt oben im Baum und weint? Das findet er höchstens noch lustig.“

Eine Tatsache, die Andrea der Polizei gegenüber für erwähnenswert hält – doch als es dann soweit ist, traut sie sich nicht mehr. Sie will Thomas erst noch auf den Zahn fühlen, um sicher zu sein. Aber auch Thomas schläft nicht …

Letzer Satz für heute: „Okay. Das sollte ja nicht so schwierig sein.“

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