Kampf gegen die Unruhe

Manchmal ist ja der Wurm drin. Nicht im Schreiben, sondern in den Begleitumständen. Heute war so ein Tag… Als ich es endlich geschafft hatte, mich zum Schreiben hinzusetzen, dauerte es nicht lang, bis das Telefon klingelte. Eine Dreiviertelstunde weg. Danach kochen, dann festgestellt, daß die Bonsai-Erde das Wasser nicht aufnimmt und erst mal Klimmzüge unternehmen, um das arme Pflänzchen vorm Verdursten zu retten … ups, Abend.

Daß ich mein Tagespensum trotzdem geschafft habe, grenzt an ein Wunder. Vor allem, wenn man überlegt, wie schwer mit die Charakterisierung von Gregorys anderem Cousin Thomas fiel. Heute kam es wieder dazu, daß die Charaktere getan haben, was sie wollten. Thomas begann während der Beerdigung, zu telefonieren, obwohl das überhaupt nicht geplant war und mit Gregory kann er kein vernünftiges Wort reden, ohne daß die zwei sich gegenseitig anmotzen. Nur: Warum? Ich habe noch gar keinen Background dafür!

„Matthias ist nicht der Heilige, für den ihn alle halten! Ich meine, er hat ihr sogar verschwiegen, daß man ihm gekündigt hatte. Drei Wochen lang! Er hat immer viel gerarbeitet und hatte wenig Zeit für die Familie. Karrieregeiler Spinner. Ich halte es für möglich, daß er einfach überfordert war. Oder nicht? Kein Job mehr, bald ein drittes Kind …“
„Da spricht der Experte in Sachen Familienleben“, unkte Greg.
Thomas ging darüber hinweg. „Matthias hatte, so gesehen, genug Gründe. Ich weiß ja, daß die beiden Eheprobleme hatten. Und dann der Jobverlust … vielleicht ist er ausgerastet! Vielleicht wollte er sie einfach … ach, das ist furchtbar. Er kann froh sein, daß er heute nicht hier war. Am liebsten würde ich ihm den Hals umdrehen. Kinder töten! Ich darf mein Kind nicht mal sehen!“
„Was Gründe hat“, goß Gregory noch mehr Öl ins Feuer.

Anschließend quetscht Thomas Andrea erst mal über ihre Arbeit im Allgemeinen und ihre augenblickliche Ermittlung im Besonderen aus, ohne dabei durchblicken zu lassen, warum ihn das interessiert. Auch das mußte ich zweimal umschreiben, weil der Dialog nicht so wollte wie ich. Was auch nicht einfach ist, wenn man ständig unterbrochen wird.
Beim Dialogschreiben unterbrochen zu werden ist das Schlimmste, was passieren kann. Denn da entwickelt sich spontan eins aus dem anderen. Aber was, wenn man hinterher vergessen hat, was man mal sagen wollte?

Letzter Satz für heute: Ich zuckte arglos mit den Schultern.

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