Jerry Bruckheimer ist nichts dagegen!

(Enthält Spoiler!)

Jedenfalls, was den Bombast im finalen Showdown angeht. Aber vorn vorn.
Ich habe mich seit langem sehr auf Man of Steel gefreut und das nicht etwa, weil ich besonderer Superman- oder Snyder-Fan wäre. Allerdings kenne und mag ich Henry Cavill, seit er in der Historienserie The Tudors sehr charismatisch den besten Freund von King Henry VIII. verkörperte. Nachdem seine letzten Kinofilm-Auftritte mich nicht vollkommen überzeugen konnten, war ich anfangs skeptisch, wie er wohl die Rolle des All American Superhero verkörpern würde, vor dem ja in Sachen US:-Patriotismus höchstens noch Captain America kommt.
Zerschlagen wurden diese Zweifel dank des wirklich ganz hervorragend konzipierten dritten Trailers zum Film, der zugleich eine Art kleine Nacherzählung von Man of Steel ist. Etwas, was man schon im Vorfeld erahnen konnte und sich für mich positiv bemerkbar machte, gestern in der Vorpremiere aber bestätigt wurde.
Den einen oder anderen mag es vielleicht stören, daß während der ersten Stunde Film relativ nahtlos eine Schlüsselszene aus dem Trailer auf die andere folgt. Für mich fühlte es sich allerdings vertraut an – gerade so, als würden Film und Trailer verschmelzen. Das war nur der erste Moment, in dem ich stark das Gefühl hatte, daß Snyder sich bei absolut allem in diesem Film etwas gedacht hat.

Schon der Anfang des Films war sehr stark. Die Szene von Kal-Els Geburt war auch in der deutschen Synchronisation sehr intensiv und ging richtig unter die Haut. Ayelet Zurer als Mutter des strahlenden Helden hat nicht viel Screentime, aber es lohnt sich, genau auf sie zu achten. Sie spielt wirklich toll und nutzt jede Sekunde, um die liebende Mutter glaubhaft zu verkörpern.
Um beim Thema Synchronisation zu bleiben: Wer wie ich tausendmal den englischen Trailer gesehen und Michael Shannon „I WILL FIND HIM!“ hat brüllen hören, muß zwangsläufig Probleme mit der deutschen Stimme haben. Ich persönlich hätte eine tiefere, bedrohlichere Stimme erwartet. Der Sprecher macht seine Sache sehr gut, aber die Erwartung des Zuschauers war eine andere.
Daß aktuelles Geschehen und Szenen aus Clarks Kindheit und Jugend vermischt werden, sehe ich zwiespältig. Eine lineare Erzählweise wäre mit Sicherheit langweiliger gewesen, hätte aber möglicherweise intensiver gewirkt. Das bleibt aber reine Spekulation. Nichtsdestotrotz kann ich die Argumente mancher Filmkritiker, das Schicksal der Protagonisten ließe sie kalt, absolut nicht nachvollziehen.
In Man of Steel gibt es zahlreiche Momente, die sehr unter die Haut gehen. Der Tod von Clarks Vater Jonathan Kent ist nur ein Moment. Ein anderer ist der, in dem Clark zum ersten Mal feststellt, daß er einen Röntgenblick hat. Seine Einsamkeit wird in den Rückblenden jedes Mal greifbar, man fühlt mit ihm und man leidet mit ihm. Von Anfang an.

Übrigens ist es mitnichten so, daß es in Man of Steel nichts zu lachen gibt. Während er noch mit seiner Selbstfindung beschäftigt ist, gibt es eine Szene, in der er – ganz der strahlende Held – eine angebaggerte Kellnerin verteidigt und böse mit Bier übergossen wird. Aber strahlende Helden schlagen nicht zu, auch wenn der Zuschauer das vielleicht sogar will. Nein, strahlende Helden zerlegen lieber stilecht den Truck desjenigen, der keine Manieren gegenüber Frauen besitzt.
Ich muß sagen, Henry Cavill hat mich in jeder Sekunde als Superman überzeugt. Beinahe in dem Sinne, daß man deutlich spüren konnte, wie gern er Superman gespielt hat. Trotz seiner hart antrainierten Muskeln wirkt er immer wieder verletzlich, aber wenn es drauf ankommt, ist er ein glaubhafter Mann aus Stahl. Ein Mann mit Gefühlen!
Im Übrigen harmoniert er sehr gut mit Amy Adams, die ich – genau wie den Rest des wirklich tollen Casts – sehr glaubhaft und sympathisch fand. Sie ist mitnichten blaß, sondern eine ganz zeitgemäße Protagonistin, die auch ab und zu rettende Ideen beisteuern darf und auch mal gern lebensgefährliche Klettertouren unternimmt.
Im Anschluß an diese Tour begegnet sie Clark zum ersten Mal – schwer verletzt, so daß er sie erst einmal unter Aufbringung seiner Superkräfte heilt. Übrigens nicht ohne die Ankündigung, daß es sehr weh tun wird. Eine wirklich tolle, intensive Szene – so wie der erste Kuß und vor allem der Moment, in dem Lois zu ihm läuft und ihm Trost spenden will, nachdem er seinen Widersacher wohl oder übel töten mußte. Was er sich wirklich nicht leicht gemacht hat.

Im Allgemeinen bin ich jemand, der nach spätestens 120 Minuten Spielzeit kribbelig wird. Mir war während der 140 Minuten Man of Steel allerdings nicht einmal langweilig. Im Gegenteil, meinetwegen hätte der Film noch länger sein und Clarks Persönlichkeit noch genauer beleuchten können.
Etwas unglücklich hingegen fand ich die wiederholten Auftritte des eigentlich toten Jor-El. Mit Hilfe eines Geistes Probleme zu lösen, ist etwas unbeholfen, das ist deus ex machina. Eine elegantere Lösung hätte mir besser gefallen. Zumal Clark etwas unspektakulär reagiert, als sein Vater plötzlich vor ihm steht. Plötzlich doch keine Gefühle?
Hingegen fand ich den Showdown überhaupt nicht zu lang, denn er ist wirklich, wirklich mitreißend und wie eingangs gesagt, Jerry Bruckheimer ist nichts gegen die Zerstörungsorgie eines Zack Snyder! Allerdings empfand ich es nicht als überkandidelt, wenn ein Flugzeug über die Hauptstraße von Smallville pflügt und dabei heftig in Flammen aufgeht. So sähe das wohl aus! Es prügeln sich eben ein Außerirdischer und seine letzten verbliebenen Mitstreiter von Krypton. Das ist eben nicht von dieser Welt.
Man spürt aber mit jedem Sprung, mit jedem Hieb von Superman seine Wut und seine Entschlossenheit. Das alles läuft sehr physisch ab, alles wirkt plastisch und echt.
Dem kam natürlich auch das nachträglich konvertierte 3D zugute – toll, was da inzwischen alles möglich ist. Sehr gut fügt sich auch Hans Zimmers epischer Soundtrack ein, der ganz anders sein möchte als der von John Williams – und das ist auch gut so.
Schließlich ist das hier ein anderer Film. Ein sehr zeitgemäßer, sehr nachvollziehbarer und spannender Film, der auch emotionaler und lustiger ist, als mancher Kritiker den Zuschauer glauben machen möchte.

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