Eine seltsame Art von Erfolg

Es gibt Tage, an denen läuft es einfach. Heute war einer davon. Wobei ich weniger glaube, daß es am Tag liegt als vielmehr daran, was ich eigentlich geschrieben habe.
Je schlimmer, desto besser. Sozusagen. Meine Spezialität sind die ganz krassen Sachen, aber das wissen wir ja schon … Mörder? Zu langweilig. Lieber gleich einen Serienmörder. Am besten einen, der noch eine dissoziative Persönlichkeitsstörung hat und zudem an Borderline leidet (nicht der aktuelle, aber das gab’s ja trotzdem auch schon). Darin gehe ich auf.
Genausowenig hat es mir heute Mühe bereitet, mir vorzustellen, wie sich wohl die überlebenden Opfer meines Serienmörders fühlen – die sind ihm begegnet, bevor er zum Mörder wurde, also hatten sie so gesehen noch Glück. Auch wenn sie selbst das so nicht sehen würden.

Mit leerem Blick starrte Paul zu Boden und knetete seine zitternden Finger.
„Bis dahin hatten weder er noch ich ein Wort gesagt. Ich lag einfach da und hatte das Gefühl, ich müsse ersticken. Ich mußte dauernd husten, weil er mich so gewürgt hatte. Er lief hinter mir herum, ich konnte ihn nicht sehen. Dann ist er sogar rausgegangen. Er ist durch unser Haus gelaufen, während ich dalag und Todesangst hatte. Ich habe mich gefragt, ob er mich umbringt. Dann ist er irgendwann mit der Küchenschere in der Hand wiedergekommen und hat meine Kleidung zerschnitten.“
Paul schnappte nach Luft und schien just in diesem Moment mit aufsteigender Panik zu kämpfen. Er wurde kreidebleich. Einem plötzlichen Gedanken folgend, legte ich eine meiner Hände auf seine zitternde Faust und beugte mich zu ihm vor.
„Es ist alles gut, Paul“, sagte ich. „Das ist zwölf Jahre her.“
„Ich weiß.“ Er klang plötzlich heiser. „Aber wenn ich mir das vorstelle, ist alles wieder da. Ich weiß noch, wie sich das angefühlt hat.“

Andrea hat an diesem Tag zwei solcher Gespräche. Am Ende steht zum Glück ein Profil – und zwar ein sehr präzises. Und zutreffendes.
Und für mich wird’s langsam Zeit, sich Gedanken zu machen, wie es nach der Festnahme weitergeht …

Letzter Satz für heute: „Ehrlich?“ Fergus grinste. „Hört sich gut an!“ 

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