Unaufhaltsam

Ich bin mal wieder nicht zu stoppen. 4862 waren es heute und würde ich mich nicht zur Vernunft rufen, könnte ich noch ewig weiterschreiben. Aber dann hätte ich den ganzen Tag schon wieder nur geschrieben. Ich habe festgestellt, daß die ersten 2000 Wörter mühsam sind. Danach ist dann Schreiben ohne Grenzen angesagt.
Ein Titel wäre mal fein. „Teil 4“ ist jedenfalls kein Titel.

Geschrieben habe ich heute drei Szenen: Gerichtsmedizin, zu Hause und in Swardeston. So heißen die. Dahinter verbergen sich – wer hätte es gedacht – ein Besuch in der Gerichtsmedizin mit viel Fachsimpelei, dann ein ganz unerwartet ausgefallenes Gespräch zu Hause und ein Besuch am ehemaligen Tatort südlich von Norwich, um das Profil noch einmal zu überdenken.
Denn alle Profiler sind sich sicher: Damals gab es keinen Mittäter. Aber was ist dann da los?

Warum das Gespräch anders ausgefallen ist als gedacht, ist eine lustige Sache. Ich dachte, Gregory rastet aus, wenn Andrea ihm erzählt, daß sie versucht, einen Campus Rapist-Nachahmer dingfest zu machen.
Irgendwie hat der Herr dann aber wieder ein Eigenleben entwickelt und blieb ganz ruhig. Nicht erfreut, aber ruhig. Was soll ich davon nun wieder halten?

„Die Leiche trieb im Yare. Als Christopher mir die Fotos gezeigt hat, wußte ich sofort, daß da etwas nicht stimmt.“
„So wie damals?“ fragte er. Es klang beunruhigt.
„So wie damals, ja. Ziemlich genau wie damals. Es stimmte fast alles bis ins Detail. Wir haben schon mit dem Gerichtsmediziner gesprochen, der bestätigt hat, daß der Mörder über das Täterwissen von damals verfügt. Damit ist das unbedingt ein Fall für einen Profiler.“
Gregory nickte langsam. Sein Gesichtsausdruck verriet nicht, was er dachte. Er blickte geradeaus und atmete tief durch. „Und jetzt wollen sie, daß du es machst.“
„Ja, richtig. Sie hätten mich fast schon gestern geholt. Christopher wollte das nicht. Er wollte erst mit mir darüber reden, weil er mir die Möglichkeit geben wollte, den Fall abzulehnen.“
Das schien Greg zu erleichtern. „Ich wäre ihm auch böse gewesen, wenn er daran nicht gedacht hätte.“

Ich freue mich schon auf das, was ich morgen vor mir habe. Der Mörder nimmt Kontakt mit Andrea auf. Vielleicht komme ich auch endlich mal dazu, etwas über ihn selbst zu schreiben. Aber sich in so ein krankes Hirn reinzudenken, ist gar nicht so einfach.

Letzter Satz für heute: Ich erwiderte seinen Blick ungerührt. „Daß ich meine Arbeit gut machen sollte.“

A Time to Kill

Christopher saß auf dem Stuhl vor meinem Schreibtisch und sah mich an. Er wirkte unerwartet ernst. In der Hand hielt er einen kleinen Stapel Fotos.
„Morgen“, sagte ich unbefangen und setzte mich auf meinen Stuhl. „Du wartest auf mich?“
Er sagte immer noch nichts, blickte erst zu Boden, dann für einen kurzen Moment aus dem Fenster. Schließlich trafen sich unsere Blicke.
„Was denn?“ fragte ich.
„Ich überlege seit gestern Abend, was ich dir sagen soll. Mir ist immer noch nichts eingefallen.“
Irritiert sah ich ihn an und hob die Hände. „Sag es einfach. So schlimm wird es schon nicht sein.“
„Doch. Das ist es ja.“ Ohne mich anzusehen, nahm er das oberste Foto vom Stapel, drehte es um und schob es mir langsam über den Tisch hin.
Es war wie ein Schlag ins Gesicht.

Bad News. Es treibt eine tote Studentin im Yare. Wer hat noch ein Déjà-vu? Alle haben es. Die Polizei ist geschockt, Andrea nicht minder. Sie ruft gleich die Kollegen aus London zu Hilfe, aber sie will diesen Fall. Diesmal will sie alles richtig machen. Das läßt sie sich auch nicht ausreden. Sie geht mit in die Gerichtsmedizin, sieht sich die Leiche an und erklärt auch, warum es nur so aussieht, als hätte der Täter die Ermordete vergewaltigt.
Zumindest glaubt sie, es zu wissen.

Der einzige, der noch keine Ahnung vom „auferstandenen“ Campus Rapist hat, ist Greg. Der Besuch bei den Eltern und seine Reaktion werden morgen Thema sein.
Und das ist der Anfang der Krise. Er will nicht, daß Andrea an diesem Fall arbeitet, aber da läßt sie sich nicht reinreden. Sie ahnt, daß es für sie höchstpersönlich wichtig sein wird, an diesem Fall zu arbeiten.
Sie hat ja so recht. Hoffentlich läuft es morgen auch so gut wie heute, Tagespensum war voll!

Schluß für heute: Kurz darauf saßen wir alle im Wagen und fuhren zu Samanthas Eltern. Ich war froh, daß Gordon dabei war. Durch seine therapeutische Erfahrung war er jetzt unentbehrlich.

Tote und andere Krisen

Ich bin wieder da! 4608 finde ich ganz beachtlich. Jetzt kann ich auch nicht mehr. Aber es kam eins zum anderen und deshalb habe ich meine Zeit heute doch durchaus sinnvoll genutzt.

Auf der Polizeiwache ging es los: Christopher war wegen eines aktuellen Mordfalles frustriert, weil er nicht weiterkam. Andrea hat ihm Hilfe angeboten – nicht ahnend, welchen Fall sie sich damit zu Gemüte führt. Sonderlich fürsorglich scheinen Christopher und sein Kollege jedenfalls nicht zu sein.

Hinter ihm stand eine halb verdurstete Topfpflanze auf der Fensterbank.
„Jungs“, sagte ich kopfschüttelnd und ging an seinem Schreibtisch vorbei, um die Pflanze zu nehmen. „Warum stellt ihr euch Pflanzen hin, wenn ihr sie tötet?“
„Das ist Sterbehilfe“, sagte Martin und lachte. Als Christopher immer noch nicht reagierte, beugte ich mich zu ihm hinab und versuchte, seinen Blick auf mich zu ziehen.
„Jemand zu Hause?“
Er schaute auf. Sein Frust war offensichtlich. Dann fiel sein Blick auf die Pflanze in meiner Hand. „Was tust du?“
„Ich werde sie retten. Und was tust du?“
„Wahnsinnig werden.“
„Unsinn.“

Sie hat ja nicht die geringste Ahnung, welchen Mordfall sie nach dem Wochenende auf dem Tisch haben wird. Eine tote junge Frau …
Ist ihr im Augenblick auch noch völlig egal, denn es häufen sich gerade private Probleme. Abends steht Rachel vor der Tür und faselt etwas von Beziehungskrise. Kurz darauf steht dann auch Jack vor der Tür.

„Und jetzt ist sie weg. Am besten erzähle ich dir gar nicht, was ich gemacht habe. Du regst dich sowieso nur auf.“ Das klang sehr deprimiert. Rachel schaute erstaunt auf.
Schritte. Ich schaute erwartungsvoll zur Tür.
„Ich weiß es schon“, hörte ich Greg sagen, während Jack im Wohnzimmer erschien. Er hatte den Mund offenstehen, um etwas zu sagen, aber er ließ es sein, als er Rachel neben mir entdeckte.
„Ach, du bist auch schon hier“, sagte er, als er sich gefangen hatte.
„Ich sagte doch, ich weiß es schon“, sagte Gregory und legte einen Arm um seine Schultern.

Aber Greg wäre ja kein großer Bruder, wenn er das nicht wieder einrenken könnte. Er ahnt noch überhaupt nicht, welche Krise seiner Beziehung ins Haus steht, aber das kommt als nächstes… in dem Moment, wo Andrea den Fall der toten Frau in den Broads auf dem Schreibtisch hat und er sie bekniet, den Fall nicht zu übernehmen.
Aber natürlich tut sie es trotzdem.

Letzter Satz für heute: Zufrieden schloß ich die Augen. „Wenigstens ist alles wieder in Ordnung.“

Startschuss

Was für ein schöner Endstand: 3113. Dafür, daß ich seit Monaten nicht ernsthaft geschrieben habe, finde ich das als Tagespensum beachtlich. Und jetzt noch mal offiziell:

Es geht los! Teil 4 has only just begun … 😉

Die letzten beiden Tage bin ich zu nichts gekommen, weil Uni und anderweitige Verpflichtungen mich davon abgehalten haben. Nichtsdestotrotz habe ich die Kategorien des Blogs neu organisiert, das war mal dringend nötig …
Vom Streß abgesehen fehlte mir aber auch der Einstieg. Den Prolog, den ich schreiben möchte, gibt es immer noch nicht, weil ich dafür noch keine gute Szene im Kopf habe. Deshalb mußte ich mit der „richtigen“ Handlung beginnen und das war auch gar nicht so leicht, denn: Am Anfang passiert nichts. Da wir aber hier bei einem Thriller sind und nicht in einer Gutenachtgeschichte, mußte ich mir etwas einfallen lassen.

Andrea hält einen Gastvortrag an ihrer alten Uni, denn sie ist zurück in Norwich und arbeitet jetzt dort. Das eignete sich als Einstieg ganz gut, vor allem weil sich darin gut Hinweise verstecken ließen. Auf jeden Fall konnte sie fachlich ziemlich gut vom Leder ziehen:

Fünf Jahre waren seitdem vergangen. Damals hatte ich selbst noch als Studentin in diesem Hörsaal gesessen.
Eine Wortmeldung brachte mich dazu, innezuhalten. „Ja?“
„Mich erinnert sein Vorgehen sehr an Frederick West“, sagte eine Studentin mit Kurzhaarschnitt und eckiger Brille. „Sind sie demselben Tätertyp zuzuordnen?“
„Nur eingeschränkt“, sagte ich. „Frederick West zeigte sehr viel früher ein manifestes deviantes Sexualverhalten, dem schon seine erste Frau zum Opfer fiel. Das ist auch der Grund dafür, daß kurz darauf seine Wahl auf Rosemary Letts fiel. Sie war wesentlich jünger als er und sexuell unerfahren, was für ihr Alter typisch war. Sie trafen sich, als sie fünfzehn war.“

Heute ging es darum, wieder ein bißchen Idylle zu etablieren. Unangenehm wird es noch früh genug. In meinem noch namenlosen Teil 4 wird es für Andrea darum gehen, herauszufinden, wer da genau so mordet wie die besagten fünf Jahre zuvor Jonathan Harold. Daß sie wieder in Norwich ist, daß sie zufrieden und glücklich ist, gefällt jemandem überhaupt nicht. Das wird alles noch ganz schön böse.

Im Augenblick haben es mir Mumford & Sons angetan (Spezialtip: Dust Bowl Dance). Vom Anhören hätte ich nie vermutet, daß das Engländer sind, aber so ist es. Und da sie, wie ich von BBC Radio 1 weiß, in England ziemlich populär sind, habe ich sie gleich mal erwähnt.

Inzwischen störte mich der Linksverkehr nicht mehr. Im Radio wurde gerade Mumford and Sons gespielt, während ich der Straße durchs Wohngebiet zu Annas Haus folgte. Ich summte leise die Gitarrenmelodie mit und freute mich auf das nahe Wochenende.

Und dann geht es zu Schwiegermutter, Mann und Kind … mein Gott, gleich ersticke ich dran 😉 Aber sie wird sich noch wundern, wenn die Polizei eine junge Frau aus den Broads fischt …

Letzter Satz für heute: Ich liebte diese Normalität.